Meine Tour als Spitzenkandidat der sächsischen LINKEN
4. August 2014 – Heute war der erste Tag meiner Tour durch Sachsen, auf der ich in den letzten Wochen des Wahlkampfs mit vielen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Institutionen oder Firmen spreche. Bereits in den letzten Jahren war ich häufig in den Regionen und Städten unterwegs. Es sind gerade diese Meinungen und Informationen aus direkten Gesprächen, die mir wichtige Informationen für meine Arbeit geben.

Zuerst ging es in den Landkreis Bautzen, wo mich auf meiner ersten Station in Ohorn Sonja Kunze, die sympathische und kompetente Bürgermeisterin des Ortes, vor dem neuen Feuerwehrstützpunkt begrüßt hat. Bei der Besichtigung des Hauses habe ich mir die Technik sowie die Dienst- und Einsatzpläne erläutern lassen und mich über die Situation der Freiwilligen Feuerwehr informiert. Die Feuerwehr leistet in meinen Augen einen für unsere Gemeinschaft unverzichtbaren Dienst, oft genug mit hohem persönlichem Einsatz. Das wird nicht ausreichend gewürdigt. Die von CDU und FDP beschlossenen Änderungen im sächsischen Brandschutz‑, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetz gingen nicht nur zulasten der Qualität, sie werden auch auf dem Rücken der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgesetzt. Der Freiwilligen Feuerwehr hatte Ministerpräsident Tillich schon vor Jahren eine höhere Rente versprochen – passiert ist nichts. Im Gegenteil: Alle unsere diesbezüglichen Anträge hat Schwarz-Gelb im Landtag abgelehnt.
Danach ging der Rundgang durch den Ort mit seinen eigenen und zugleich so typischen Themen weiter. Ob es die teilerneuerte Kindertagesstätte war, die Baude auf dem Schleißberg, eine ehemalige Jugendherberge ohne Perspektive, der neugestaltete Waldspielplatz oder die vor kurzem erworbene, marode Investruine, die einer Grünfläche mitten im Ort weichen wird: Ich nehme viele Informationen und Anregungen aus Ohorn auf meinen Weg mit.
Nächste Station war die Geschäftsstelle der LINKEN in Bautzen, von wo aus es mit den örtlichen Direktkandidaten in die ‚Manufaktur’ zu einer Diskussionsrunde mit der Stadtteilinitiative ‚Frei(e)zeit’ in den Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen ging. Die ausschließlich ehrenamtlich Tätigen kennen sich aus in ihrer Stadt und nicht nur dort. Sie kamen sofort zur Sache und wollten wissen, wie wir ganz konkret in Sachsen einen Politikwechsel vollziehen wollen. Einen weiteren Schwerpunkt unseres Gesprächs bildete das Problem rechtsradikaler Aktionen in Bautzen und ganz Sachsen. Dieses Problem betrifft die sie ganz direkt. Die ‚Manufaktur’ ist in Bautzen ein Anlaufpunkt für sozial Benachteiligten, Familien mit Migrationshintergrund, Kinder und Jugendliche, für Aussteiger aus der rechten Szene, aber auch für andere Menschen. Weil anderswo staatlich geförderte Projekte in der Jugendarbeit, in der Suchtprävention oder der Generationen übergreifende Dialog beschnitten würden, werde ihre Basisarbeit immer wichtiger, erklärte die Sprecherin der Initiative, Hannelore Jokuff. Vor diesem sozialen Engagement für Andere, im Kleinem, täglich, trotz Rückschlägen und ohne großes Aussehen habe ich den höchsten Respekt. Zugleich ist für mich klar, dass wir Ehrenamtliche nicht mit solch wichtigen gesellschaftliche Aufgaben alleine lassen dürfen. Für gesellschaftliche Probleme brauchen wir auch in Sachsen bessere öffentliche Strukturen und eine verstärkte Förderung zivilgesellschaftlicher Vereine – also das Gegenteil von dem, was die Regierung Tillich tut.

„Morgensonne“ am Bautzener Stadtrand.)
Zum Abschluss ging es in die Kleingartenanlage „Morgensonne“ am Bautzener Stadtrand. Rund 30 Kleingärtnerinnen und Kleingärtner waren gekommen, um die Position der Linken zum Thema „Schuldrechtsanpassungsgesetz und Moratorium zur Verlängerung des Kündigungsschutzes“ zu erfahren. Als sächsische LINKE stehen wir aus Überzeugung klar auf ihrer Seite, nicht nur, weil viele unserer Mitglieder selbst Gartenfreunde sind. Kleingartenanlagen sind Oasen des sozialen Zusammenhalts und der gesunden Umwelt, deshalb sollen sie erhalten bleiben.
Am Ende haben wir noch über ein schwieriges Thema besprochen. Diese Themen gibt es, und denen werde ich auf meiner Tour auch nicht ausweichen. Es ging um das „Spreehotel“ vor den Toren der Stadt, in dem Flüchtlinge untergebracht sind. Immer wieder stelle ich fest, dass viele gar nicht wissen, wie sehr die harte Flüchtlingspolitik des Bundes, aber auch Sachsens viele Probleme erst mit verursacht. So ist die Residenzpflicht hier zwar etwas gelockert worden, aber noch immer müssen 70 Prozent aller Flüchtlinge in Sammelunterkünften wie dem ‚Spreehotel’ leben. Es ist ihnen verboten zu arbeiten, auch wenn sie beste Qualifikationen haben. Mein Standpunkt ist: Auf Sorgen und Vorbehalte von Bürgerinnen und Bürgern gegenüber Flüchtlingen müssen wir eingehen, müssen aufklären und informieren. Die politischen Voraussetzungen für gesellschaftliche Integration müssen wir verbessern. Gegen rechte Hetze aber werden wir immer entschlossen Stellung beziehen. Wir sollten nicht vergessen: Die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, haben ihre Heimat und oft alles, was sie hatten, zurückgelassen. Wer tut das ohne Not?
So hatte der erste Tag meiner Tour durch Sachsen ganz unterschiedliche Themen zu bieten. Sie spiegeln die Aufgaben wider, vor denen wir in Sachsen stehen. Schon dieser erste Tag hat mir viele Impulse für meine Arbeit gegeben. Ich freue mich auf den zweiten Tag.