Stopp der Umsiedlungen durch Vattenfall – Dörfer, Sorben und Wirtschaft in der Lausitz brauchen Soforthilfe
Zum Stopp der vorgesehenen Umsiedlungen von 1.700 Menschen im Zusammenhang mit dem bisher geplanten Tagebau „Nochten II“ in der Schleifer Region durch den Konzern Vattenfall:
Das könnte ein guter Tag für die Lausitz sein – ein Ende der landschafts- und kulturfressenden Geschichte der Abbaggerung von weit über hundert Dörfern. Doch leider ist es ein Tag höchster Verunsicherung, weil die CDU-dominierte Sächsische Staatsregierung den Strukturwandel verschlafen hat und nun in Gestalt eines SPD-Wirtschaftsministers wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt. Das könnte ein guter Tag für das sorbische Volk sein – denn zum ersten Mal seit Menschengedenken scheint das Ende der weiteren Zerstörung sorbischen Siedlungsgebietes durch den Braunkohletagebau nahe. Doch leider ist es auch für die Sorbinnen und Sorben ein Tag höchster Verunsicherung, weil die Finanzierung der Förderung der sorbischen Sprache und Kultur in der Region bisher zu einem Gutteil an dem Bergbauunternehmen hing und nunmehr auf dem Spiel steht. Das ist zugleich ein Armutszeugnis für die Politik von Land und Bund, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind. Das könnte ein guter Tag für Sachsens Wirtschaft und Umwelt sein, ein Meilenstein auf dem Weg zu einer ökologisch nachhaltigen und wirklich sozial verträglichen Wirtschaftsweise. Doch bedauerlicherweise ist es auch in dieser Hinsicht ein Tag höchster Verunsicherung. Denn unsere parlamentarischen Initiativen für staatlich geförderte Erforschung neuer auch industrieller Perspektiven für die Region wurden niedergestimmt. Noch heute tut Wirtschaftsminister Dulig nichts für einen Strukturwandel, sondern bettelt um einen ausländischen Investor, der die Kohlegruben und Kraftwerke übernimmt und weiterführt, als wäre nichts geschehen. Daran glaubt offenbar selbst Vattenfall nicht mehr. Ich fordere Ministerpräsident Tillich und Wirtschaftsminister Dulig auf, den Menschen vor Ort, die sich schweren Herzens mit der Umsiedlung abgefunden hatten, nun zu sagen, wie es weitergehen soll. Zur Ehrlichkeit gehört auch festzustellen: Die 25 Jahre von der Staatsregierung versäumter Strukturwandel weg von der Braunkohle-Monostruktur zu DDR-Zeiten lassen sich jetzt nicht einfach schnell nachholen. Was wir jetzt brauchen, ist staatliche Soforthilfe gegen den ökonomischen und kulturellen Kollaps in der Region. Soforthilfen für die betroffenen Dörfer, die Sorbinnen und Sorben und für die Neuansiedlung nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen.